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Strategie · 27. Juli 2026 · Aktualisiert 27. Juli 2026

KI-Workshop für die Geschäftsleitung - was in vier Stunden realistisch ist

Ein KI-Workshop für die Geschäftsleitung hat vier Stunden. Was in dieser Zeit tatsächlich entschieden werden kann, was danebengeht - und welche drei Fragen eine Leitungsrunde wirklich beantwortet haben will.

Autor

Reto Lutz

Gründer & KI-Trainer

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Leitungsrunde braucht keine Werkzeugführung, sondern eine Grundlage für Entscheidungen: Was ist heute belastbar, was kostet es, wer haftet.
  • In vier Stunden lassen sich drei Dinge erreichen: eine gemeinsame realistische Einschätzung, zwei bis drei priorisierte Einsatzfelder und eine benannte Verantwortlichkeit. Eine Strategie gehört nicht dazu.
  • Der häufigste Fehler ist die Demo-Dramaturgie: Wer nur zeigt, was beeindruckt, erzeugt Beschlüsse, die vier Wochen später an der Realität zerbrechen. Die Grenzen gehören in dieselbe Stunde wie die Möglichkeiten.
  • Ohne benannte Person und ohne Termin für die Nachschau ist ein Workshop-Ergebnis nach spätestens einem Monat verpufft.
Wald im Nebel - Symbolbild für Orientierung in einer unübersichtlichen Lage.
Eine Leitungsrunde braucht keine Aussicht bis zum Horizont. Sie braucht die nächsten hundert Meter mit gesichertem Grund.

Ein Workshop mit einer Geschäftsleitung funktioniert anders als einer mit einem Fachteam, und zwar aus einem einzigen Grund: Die Teilnehmenden werden das Werkzeug in vielen Fällen selbst kaum benutzen. Sie müssen darüber entscheiden.

Das verschiebt alles. Ein Fachteam will wissen, wie man einen guten Prompt schreibt. Eine Leitungsrunde will wissen, ob sie in den nächsten zwölf Monaten Geld ausgeben soll, wofür, wer die Verantwortung trägt und was passiert, wenn etwas schiefgeht. Wer diese Runde mit einer Werkzeugführung bespielt, hat vier Stunden verbrannt - höfliches Interesse inklusive.

Dieser Beitrag beschreibt, was in einem Halbtag tatsächlich zu erreichen ist, was regelmässig danebengeht, und woran Sie hinterher merken, ob es funktioniert hat.

Die drei Fragen, die tatsächlich im Raum stehen

In fast jeder Leitungsrunde laufen dieselben drei Fragen mit, meist unausgesprochen:

“Verpassen wir gerade etwas?” Das ist die Angstfrage, und sie ist der Grund, warum der Termin überhaupt zustande kommt. Sie lässt sich nur beantworten, indem man zeigt, was heute wirklich funktioniert - und in derselben Stunde, was nicht funktioniert, obwohl es überall behauptet wird. Beides gehört zusammen. Wer nur die eine Hälfte liefert, erzeugt entweder Panik oder Ernüchterung, und keines von beidem ist eine Entscheidungsgrundlage.

“Was kostet uns das, und was bringt es?” Hier ist Zurückhaltung Pflicht. Niemand, der Ihren Betrieb erst seit dem Vorgespräch kennt, kann Ihnen eine Effizienzzahl nennen. Was in vier Stunden geht: gemeinsam benennen, welche wiederkehrende Arbeit in Ihrem Haus überhaupt in Frage kommt, und wie man die Wirkung nachher misst. Die Zahl entsteht danach, bei Ihnen.

“Wer haftet, wenn es schiefgeht?” Die Frage kommt oft spät und leise, und sie ist die wichtigste. Die Antwort ist unbequem: Wer Personendaten in einem Werkzeug bearbeitet, ist Verantwortlicher im Sinne des Datenschutzgesetzes - auch wenn das Werkzeug von einem grossen Anbieter kommt. Das lässt sich nicht delegieren. Was sich klären lässt, ist, welche Tarifstufe und welche Konfiguration die Anforderungen tragen; die belegbaren Kriterien dafür stehen im Leitfaden zum DSG-konformen KI-Einsatz.

Was in vier Stunden hineinpasst

Vier Stunden klingen nach viel. Mit Begrüssung, einer Pause und der Diskussion, die man nicht abwürgen sollte, bleiben realistisch dreieinhalb Stunden Arbeitszeit. Das ist ein enges Budget, und es zwingt zu einer Entscheidung darüber, was wegfällt.

Eine Aufteilung, die sich bewährt:

  • Rund eine Stunde Kalibrierung. Live vorgeführt, nicht als Folien: Was leisten die aktuellen Werkzeuge an einer Aufgabe, die in Ihrem Haus tatsächlich vorkommt. Dazu, in derselben Stunde, die Gegenprobe - eine Aufgabe, an der sie scheitern, und warum. Der zweite Teil ist der wertvollere.
  • Rund eine Stunde Einordnung. Regulatorischer Rahmen, Datenfluss, wo die Verantwortung liegt. Nicht als Jurastunde, sondern als Landkarte: welche Fragen Sie beantworten müssen, bevor ein Werkzeug produktiv geht.
  • Rund eine Stunde Anwendungsfelder. Gemeinsam die eigenen Prozesse durchgehen und zwei bis drei Kandidaten benennen. Nicht die spektakulärsten, sondern die häufigsten und am wenigsten heiklen.
  • Der Rest: Priorisierung und Verantwortlichkeit. Wer treibt das weiter, mit welchem Zeitbudget, bis wann wird nachgeschaut.

Was in diesem Rahmen nicht geht, und das sollte vorher ausgesprochen sein: eine KI-Strategie, ein fertiges Einsatzreglement, eine belastbare Investitionsrechnung oder eine Beurteilung Ihrer konkreten Datenlage. Das sind eigene Arbeiten mit eigenem Aufwand. Ein Halbtag kann sie vorbereiten, nicht ersetzen.

Die drei Muster, an denen es scheitert

Die Demo-Dramaturgie. Ein Workshop, der nur zeigt, was beeindruckt, funktioniert im Raum hervorragend und rächt sich vier Wochen später. Die Runde beschliesst etwas auf Basis einer Vorführung, die unter Idealbedingungen lief - saubere Daten, gut gewählte Aufgabe, kein Zeitdruck. Im Alltag sieht es anders aus, das Ergebnis enttäuscht, und danach ist das Thema für zwei Jahre verbrannt. Deshalb gehört das Scheitern in die Vorführung: eine Aufgabe, bei der das Werkzeug plausibel klingenden Unsinn produziert, ist der lehrreichste Moment des Termins.

Die Werkzeugführung. Vier Anbieter der Reihe nach durchgehen, mit Stärken und Schwächen. Klingt gründlich, ist aber für eine Leitungsrunde die falsche Achse. Die relevante Frage ist nicht “was kann Werkzeug X”, sondern “welche unserer wiederkehrenden Arbeiten kommt überhaupt in Frage, und was folgt daraus”. Die Werkzeugwahl ist danach eine Beschaffungsfrage, keine Leitungsfrage.

Der Termin ohne Nachher. Das häufigste Muster und das teuerste. Alle gehen mit einem guten Gefühl raus, niemand ist benannt, es gibt keinen Folgetermin. Nach vier Wochen erinnert sich die Runde an die Vorführung und an nichts sonst. Ein Workshop ohne benannte Person und ohne Datum für die Nachschau ist eine Veranstaltung, kein Projekt.

Wer im Raum sein sollte

Die Zusammensetzung entscheidet mehr als die Agenda. Drei Rollen sollten vertreten sein:

  • Jemand, der Budget freigeben kann. Sonst endet jede Erkenntnis in “das müssen wir noch besprechen”.
  • Jemand mit Zugriff auf die IT-Realität. Welche Lizenzen laufen, was ist im Verzeichnisdienst, was hat die IT bereits gesperrt. Ohne diese Person diskutiert die Runde über Optionen, die es nicht gibt.
  • Jemand aus dem operativen Geschäft. Die Person, die weiss, wie eine Offerte tatsächlich entsteht, nicht wie sie im Prozesshandbuch steht. Ihr Widerspruch ist der wertvollste Beitrag des Nachmittags.

Nicht in den Raum gehört eine zu grosse Runde. Ab etwa zwölf Personen kippt die Diskussion in Zuhören, und die Priorisierung im letzten Teil funktioniert nicht mehr. Wenn mehr Menschen die Einordnung brauchen, ist der kurze Überblick für die grosse Gruppe das passendere Format - die Formatfrage ist im Beitrag zur Inhouse-KI-Schulung ausgeführt.

Woran Sie nach vier Wochen merken, ob es getragen hat

Drei Prüfsteine, alle ohne Messwerkzeug:

  1. Gibt es einen Namen? Steht in einem Protokoll eine Person mit einer Aufgabe und einem Datum? Wenn nicht, war es eine Veranstaltung.
  2. Ist die Diskussion konkreter geworden? Wenn in der Leitungssitzung nicht mehr über “KI” gesprochen wird, sondern über einen bestimmten Arbeitsschritt, hat die Kalibrierung gewirkt.
  3. Hat jemand etwas ausprobiert und ist gescheitert? Das ist das beste Zeichen von allen. Ein Fehlschlag an einer echten Aufgabe ist mehr wert als drei Monate zustimmendes Nicken - er zeigt, dass jemand angefangen hat.

Die Erwartung, die trägt

Niemand wird durch diese Werkzeuge ersetzt. Wer sie beherrscht, schafft Mehrwert, den ein Team spürt - und genau darum geht es in einer Leitungsrunde: nicht um Bedrohung, sondern um Einordnung und um die Frage, wo der erste Hebel sitzt.

Ein Halbtag kann diese Einordnung liefern und zwei bis drei Kandidaten benennen. Er kann keine Transformation auslösen, und jeder, der das verspricht, sollte Sie misstrauisch machen. Was danach passiert, entscheidet sich nicht im Workshop, sondern in den vier Wochen danach - in dem Betrieb, in dem jemand anfängt.

Formate, Gruppengrössen und Preise stehen auf der Seite zu den KI-Schulungen für Unternehmen. Für Leitungsrunden im Grossraum Zürich läuft der Termin in der Regel vor Ort im eigenen Haus: KI-Schulung Zürich.


Weiterführend auf ai-edu.ch:

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