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KI-Trends · 25. Juli 2026

Claude Code steht in 44 Schweizer Stelleninseraten - und nicht nur bei Entwicklern

Eigene Erhebung auf jobs.ch vom 25. Juli 2026: 44 offene Stellen nennen Claude Code, 24 davon aus den letzten 30 Tagen. Auch bei Webdesign und Business-Analyse. Was daraus folgt - und was nicht.

Autor

Reto Lutz

Gründer & KI-Trainer

Eigene Erhebung, 25. Juli 2026. Alle Zahlen unten habe ich an diesem Tag selbst auf jobs.ch abgerufen. Sie sind eine Momentaufnahme: Stellenportale ändern sich täglich, und wer die Suche in zwei Wochen wiederholt, bekommt andere Zahlen. Die Methode steht im ersten Abschnitt, damit Sie es nachprüfen können.

Warum der Stellenmarkt und nicht eine Umfrage

Für die Frage, ob ein Werkzeug in Schweizer Firmen tatsächlich angekommen ist, gibt es zwei Sorten Belege. Die eine sind Umfragen: Menschen sagen, was sie tun oder tun wollen. Die andere sind Stelleninserate: Firmen schreiben auf, wofür sie Geld ausgeben wollen. Inserate sind teurer als Antworten, und sie werden von jemandem freigegeben. Deshalb sind sie das härtere Signal.

Claude Code ist Anthropics Kommandozeilen-Werkzeug - ein KI-Assistent, der direkt in Dateien und Projekten arbeitet statt in einem Chatfenster. Die Frage, die mich interessiert hat: Steht das schon in Schweizer Inseraten, oder ist es ein Thema, das nur in Fachmedien vorkommt?

Die Methode

Ich habe auf jobs.ch die Volltextsuche verwendet, jeweils ohne Ortsfilter, und die Trefferzahl abgelesen, die das Portal über der Ergebnisliste ausgibt. Für Claude Code zusätzlich mit dem Filter “letzte 30 Tage”.

Zwei Einschränkungen, die Sie kennen sollten, bevor Sie die Zahlen weitergeben:

  1. Die Suche ist keine strenge Phrasensuche. jobs.ch verknüpft Suchwörter, statt exakt nach der Zeichenfolge zu suchen. Die 44 sind deshalb eine Obergrenze, nicht eine bestätigte Anzahl.
  2. Ich habe vier Inserate geöffnet und gegengelesen, nicht 44. In allen vier steht “Claude Code” wörtlich. Das belegt, dass die Suche nicht ins Leere greift - es validiert die 44 nicht.

Die Zahlen

SuchbegriffOffene Stellendavon letzte 30 Tage
agentic110-
Copilot106-
Claude Code4424
Cursor31-

Die interessanteste Zahl ist nicht die 44, sondern das Verhältnis 24 zu 44: Mehr als die Hälfte aller Treffer ist jünger als dreissig Tage. Das heisst, der Zulauf findet gerade jetzt statt - nicht irgendwann in den vergangenen zwei Jahren.

Zur Einordnung nach oben: Copilot liegt mit 106 mehr als doppelt so hoch. Microsoft hat den Vorteil, in Lizenzen zu stecken, die ohnehin da sind. Claude Code wird dagegen bewusst beschafft. Nach unten: Cursor liegt mit 31 darunter, obwohl es länger am Markt ist.

Vier Inserate, wörtlich

Das eigentlich Bemerkenswerte steht nicht in den Zahlen, sondern darin, wo der Werkzeugname auftaucht.

Intersim AG, Burgdorf - Senior Fullstack Entwickler:in / Teamleader:in 80-100%:

Du nutzt KI für Agentic Coding, arbeitest effizient mit Skills und Tools wie Claude Code und setzt KI gezielt für Entwicklung, Architektur und Automatisierung ein.

Das ist die erwartbare Stelle - eine Entwicklerrolle. Bemerkenswert ist die Formulierung: Nicht “Kenntnisse in”, sondern eine Arbeitsweise. Das Werkzeug wird als Teil davon beschrieben, wie jemand arbeitet, nicht als Punkt auf einer Skill-Liste.

GLOBONET GmbH, Wil - Webdesigner mit Agenturerfahrung (100%):

Praxisnaher Umgang mit modernen KI-Tools und Entwicklungsumgebungen wie Claude, Claude Code, Cursor oder vergleichbaren Systemen

Ein Webdesigner-Inserat. Dieselbe Firma schreibt denselben Satz in ein Inserat für einen Senior Mediamatiker Web, Design & Digital Projects. Das sind keine Software-Engineering-Rollen.

Ekkiden, Genf - Technical Business Analyst, Avaloq Expert:

Une expérience avec des outils de développement assistés par IA (Codex, Claude Code ou équivalent) constitue un plus.

Business-Analyse im Bankenumfeld, auf Französisch, formuliert als “constitue un plus” - also ausdrücklich ein Plus und keine Anforderung.

Was daraus folgt

Der Werkzeugname ist aus den Entwicklerrollen herausgewandert. Von den vier gelesenen Inseraten sind zwei aus Design und Mediamatik, eines aus der Business-Analyse. Ich habe sie von oben aus der Ergebnisliste genommen, nicht zufällig gezogen - eine Zufallsstichprobe wäre der bessere Beleg gewesen. Es bleibt ein Hinweis, kein Nachweis.

Der Zulauf ist frisch. 24 von 44 in dreissig Tagen.

Für ein KMU heisst das zweierlei. Erstens: Wenn Sie Leute suchen, die so arbeiten, konkurrieren Sie inzwischen mit ti&m, Intersim und Ekkiden um dieselben Profile - der Weg über Weiterbildung der eigenen Leute ist nicht der langsamere, sondern oft der einzige. Zweitens: Wenn Ihre Mitarbeitenden das Werkzeug in Inseraten sehen, werden sie es ausprobieren, mit oder ohne Freigabe. Die Frage ist dann nicht mehr ob, sondern unter welchen Regeln.

Was daraus nicht folgt

Hier wird es unangenehm, deshalb ausführlich:

  • Es ist keine Muss-Anforderung. In allen drei zitierten Formulierungen steht das Werkzeug als “Plus”, als Beispiel (“Tools wie”) oder als Beschreibung einer Arbeitsweise. Keine der Stellen fällt aus, wenn jemand Claude Code nicht kennt.
  • 44 Inserate sind wenig. Auf einem Portal mit Zehntausenden offenen Stellen ist das ein Nischensignal. Wer daraus “der Markt verlangt Claude Code” macht, überzeichnet.
  • Es sagt nichts über Schulungsnachfrage. Dass Firmen Leute suchen, die ein Werkzeug können, heisst nicht, dass dieselben Firmen Budget haben, um es ihren Leuten beizubringen. Das ist ein anderer Vorgang mit einem anderen Budgetposten.
  • Ich kann die Verteilung über Branchen nicht seriös auswerten. Dafür müsste ich alle 44 lesen, und selbst dann wäre die Grundgesamtheit durch die Suchlogik unscharf.

Grenzen dieser Erhebung

  • Ein Portal. jobs.ch ist gross, aber nicht der Markt. Inserate auf Firmenwebsites, LinkedIn, ostjob.ch und in Personalvermittlungen fehlen komplett.
  • Keine Deduplizierung. ti&m belegt sechs der ersten zehn Treffer. Ob dahinter sechs Stellen oder eine mehrfach ausgeschriebene stehen, ist von aussen nicht erkennbar.
  • Keine Zeitreihe. Ich habe keinen Vergleichswert von vor sechs Monaten selbst erhoben. Der 24-von-44-Wert ist ein Indiz für Bewegung, kein gemessenes Wachstum.
  • Momentaufnahme. Wer diesen Beitrag in drei Monaten liest, sollte die Suche wiederholen, statt die Zahl zu zitieren.

Häufige Fragen

Wie prüfe ich die Zahlen selbst nach?

Auf jobs.ch in die Suchmaske “Claude Code” eingeben, keinen Ortsfilter setzen, und die Trefferzahl über der Liste ablesen. Für die 30-Tage-Zahl den Filter “Publikationsdatum” auf 30 Tage stellen. Dauert eine Minute.

Heisst das, mein Team muss jetzt Claude Code lernen?

Nein. Es heisst, dass der Name in Schweizer Inseraten angekommen ist. Ob das Werkzeug in Ihrem Betrieb etwas bringt, hängt daran, ob es bei Ihnen wiederkehrende Arbeit an Dateien und Dokumenten gibt - nicht daran, was Intersim ausschreibt.

Warum liegt Copilot mit 106 so viel höher?

Weil Copilot in Microsoft-365-Lizenzen steckt, die viele Firmen ohnehin haben. Die Nennung in einem Inserat kostet dort keine Beschaffungsentscheidung. Bei Claude Code kostet sie eine.

Ist “agentic” mit 110 Treffern nicht das eigentliche Signal?

Es ist das grössere, aber das unschärfere. “Agentic” ist ein Sammelbegriff und taucht in Marketingtexten von Inseraten auf, die inhaltlich wenig damit zu tun haben. Ein Produktname lässt sich schlechter dekorativ verwenden.

Wo fange ich an, wenn ich es ausprobieren will?

Mit der Installation auf dem eigenen Rechner und einem einzigen echten Arbeitsschritt, nicht mit einem Konzept. Wenn Sie vorher wissen wollen, was das Werkzeug überhaupt ist, wo es läuft und was Anthropic dafür verlangt, steht das auf der Übersicht Claude Code in der Schweiz. Für den Einstieg auf dem Mac gibt es die Schritt-für-Schritt-Anleitung zu Claude Code auf macOS. Und weil die Frage sofort kommt: ob Sie dafür programmieren können müssen, klärt die Seite zu Claude Code ohne Programmierkenntnisse. Was das Werkzeug in Treuhand, Beratung, Verwaltung und Handwerk konkret produziert, zeigen die aufgezeichneten Sessions im Showcase.

Praxis-Fazit

44 Inserate machen keinen Markt, aber sie widerlegen die bequeme Annahme, Claude Code sei ein Thema für Entwickler in Grossfirmen. Ein Webdesigner-Inserat aus Wil und eine Business-Analysten-Stelle in Genf sagen etwas anderes: Der Werkzeugname wandert dorthin, wo Wissensarbeit an Dateien stattfindet - und das ist in jedem KMU der Fall.

Meine Einschätzung: Die interessante Frage für einen Betrieb ist nicht, ob man mitziehen muss, sondern ob es bei Ihnen einen wiederkehrenden Arbeitsschritt gibt, der heute Stunden frisst und aus Dateien besteht. Wenn ja, lässt sich das an einem Nachmittag beantworten statt in einem Strategiepapier. Wie solche Nachmittage aussehen - drei Alltagsaufgaben, keine Zeile Code -, zeigt Claude Code im KMU-Alltag. Für eine einzelne Person ist das Claude Code 1:1 Setup der direkte Weg - eine Session an Ihrem eigenen Arbeitsordner, nicht an einem Demo-Projekt. Und wenn Sie vorher breiter einordnen wollen, wo KI in Ihrem Betrieb überhaupt trägt, ist die KI-Schulung für Teams der Einstieg.


Quellen (selbst abgerufen am 25. Juli 2026):

Stelleninserate werden von den Firmen laufend zurückgezogen. Wenn ein Link ins Leere führt, ist das Inserat besetzt oder abgelaufen - die Zitate oben stammen aus dem Abruf vom 25. Juli 2026.

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