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Tutorial · 25. Oktober 2024 · Aktualisiert 19. April 2026

Prompt Engineering: So holen Sie das Maximum aus ChatGPT und Claude

Die fünf Grundprinzipien guter Prompts und drei fortgeschrittene Techniken - mit konkreten Beispielen für HR, Finanzen und Vertrieb im Schweizer KMU.

Autor

Reto Lutz

Geschäftsführer ai-edu

Stand: April 2026. Modelle und ihre Fähigkeiten verschieben sich, aber die Logik guter Prompts bleibt seit Jahren stabil. Dieser Beitrag fokussiert auf die langlebigen Prinzipien.

Die Qualität Ihrer KI-Outputs hängt direkt von der Qualität Ihrer Prompts ab. Dieser Beitrag liefert die fünf Grundprinzipien, drei fortgeschrittene Techniken und Beispiele aus dem Schweizer KMU-Alltag. Wer fertige Vorlagen sucht, findet sie in den Prompt-Templates - acht kopierbare Frameworks für E-Mails, Analysen, Code und mehr.

Zwei Personen arbeiten am Laptop - Symbolbild fuer praktisches Prompt-Training am eigenen Use-Case.
Prompt-Arbeit wirkt abstrakt - bis sie am eigenen Use-Case passiert. Die Prinzipien darunter sind wenige, stabile und in 20 Minuten erklärbar. Bild: DC Studio / Freepik

Was ist Prompt Engineering?

Prompt Engineering ist die strukturierte Kommunikation mit einem Sprachmodell. Es ist keine Programmierung - aber es folgt erkennbaren Mustern, die wiederholt zu besseren Ergebnissen führen.

Die fünf Grundprinzipien

1. Sei spezifisch

Schlecht: “Schreib einen Text über KI.”

Gut: “Schreib einen 300-Wörter-Blogartikel über die Vorteile von KI für Schweizer KMU. Zielgruppe: Geschäftsleitung ohne technischen Hintergrund. Tonalität: professionell, aber zugänglich. Schweizer Hochdeutsch (ss statt Eszett).“

Annotierter Beispiel-Prompt mit fünf farbig hinterlegten Sektionen - Rolle, Kontext, Aufgabe, Format und Beispiel.
Die Anatomie eines guten Prompts - jede Sektion erfüllt einen Zweck, und keine ist optional, wenn das Ergebnis verlässlich sein soll.

2. Gib Kontext

Je mehr relevanten Kontext Sie liefern, desto besser das Ergebnis. Drei Fragen, die Sie immer beantworten sollten:

  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Was ist der Zweck (informieren, überzeugen, entscheiden)?
  • Welcher Tonfall ist gewünscht (formell, kollegial, direkt)?

3. Definiere das Format

Sagen Sie der KI genau, wie das Ergebnis aussehen soll: Bulletpoints oder Fliesstext, Wortanzahl, mit oder ohne Überschriften. Vorgaben sparen die teure Iteration “kannst du das auch als Liste?“.

4. Nutze Beispiele

One-shot oder Few-shot Prompting reduziert Stil-Abweichungen drastisch:

Hier ist ein Beispiel für den gewünschten Stil:
[Beispiel]

Schreib nun einen ähnlichen Text über [Thema].

5. Iteriere

Der erste Output ist selten perfekt. Verfeinern statt neu starten:

  • “Mach es kürzer.”
  • “Formeller bitte.”
  • “Füge ein konkretes KMU-Beispiel ein.”

Drei konkrete Beispiele aus dem Schweizer KMU-Alltag

HR: Stelleninserat strukturieren

Du bist eine erfahrene HR-Verantwortliche in einem Schweizer
Industrie-KMU (50 MA). Schreibe ein Stelleninserat für eine
Sachbearbeitung Auftragsabwicklung (80-100 %).

Kontext:
- Wir suchen Verstärkung für unser fünfköpfiges Innendienst-Team.
- Voraussetzungen: kaufmännische Ausbildung, ERP-Erfahrung
  (Abacus oder SAP), Deutsch Muttersprache, Französisch von Vorteil.
- Wir bieten: 5 Wochen Ferien, Homeoffice 2 Tage/Woche, ÖV-Anschluss.

Format: Schweizer Hochdeutsch, ca. 300 Wörter, klare Sektionen
(Aufgaben, Profil, Wir bieten), keine Floskeln, keine
"Wir suchen DICH"-Anrede.

Finanzen: Budget-Kommentar entwerfen

Du bist Controller in einem Schweizer Dienstleistungs-KMU.
Schreibe einen Budget-Kommentar für die Geschäftsleitung zu Q1 2026.

Eckdaten:
- Umsatz Q1: CHF 2.4 Mio. (+8 % yoy, Budget +12 %)
- Bruttomarge: 38 % (Vorjahr 41 %)
- Personalkosten: CHF 920'000 (+5 % yoy)
- Liquidität: CHF 1.1 Mio. (komfortabel)

Format: ein A4 maximal, Sektionen "Highlights / Abweichungen /
Empfehlungen", keine Beratersprache, klare Ursachen-Wirkungs-Aussagen.
Sprache: Deutsch, Schweizer Konvention.

Vertrieb: Angebots-E-Mail entwerfen

Du bist Verkäufer in einem Schweizer KMU für Maschinenbau.
Schreibe eine Angebots-E-Mail.

Empfänger: Frau Steiner, Einkaufsleiterin bei einem Bestandskunden
(Industrie, ca. 200 MA).
Anlass: Sie hat ein Angebot für eine Wartungs-Erweiterung angefragt.
Inhalte: zwei Wartungs-Optionen (Standard CHF 4'500/Jahr, Premium
CHF 7'200/Jahr), Verfügbarkeit ab Mai, persönliches Gespräch
zur Klärung empfohlen.

Anforderungen: max. 180 Wörter, professionell-freundlich,
"Sie"-Form, Schweizer Hochdeutsch, klare Handlungsaufforderung
(Gesprächs-Termin vorschlagen).

Drei fortgeschrittene Techniken

Chain-of-Thought

Bitten Sie das Modell, Schritt für Schritt zu denken:

Analysiere dieses Problem Schritt für Schritt:
1. Verstehe die Ausgangssituation.
2. Identifiziere die Kernherausforderung.
3. Entwickle drei Lösungsoptionen.
4. Bewerte Vor- und Nachteile.
5. Gib eine Empfehlung mit Begründung.

Rollenbasierte Prompts

Du bist eine erfahrene Treuhänderin mit 20 Jahren Erfahrung in
der Schweizer KMU-Beratung. Antworte mit dieser Perspektive.

Output-Strukturierung

Antworte im folgenden Format:

## Zusammenfassung
[2-3 Sätze]

## Hauptpunkte
[Bulletpoints]

## Empfehlung
[1 Absatz]

2026: Reasoning-Modelle verschieben das Prompting

Die aktuellen Modellgenerationen (GPT-5.x, Claude 4.x mit Extended Thinking, Gemini 3) bringen eine Reasoning-Schicht mit, die das Modell vor der eigentlichen Antwort planen lässt. Vier praktische Folgen fürs Prompting:

  • Chain-of-Thought wird oft überflüssig. Was früher mit “denke Schritt für Schritt” angestossen werden musste, passiert nativ. Der explizite CoT-Prompt behält Wert, wenn Sie die Zwischenschritte sehen wollen.
  • Weniger Few-Shot-Beispiele nötig. Reasoning-Modelle generalisieren besser aus einem Beispiel. Zwei gezielte statt fünf ähnliche Beispiele.
  • Kontext-Setzung wird wichtiger. Das Modell investiert Thinking-Tokens, wenn es den Auftrag versteht. Eine Zeile wie “Ich arbeite in einer Schweizer Treuhand-Kanzlei mit 15 Mitarbeitenden” spart später Korrekturschleifen.
  • Zeit und Kosten beachten. Thinking-Modi brauchen mehr Tokens und Laufzeit. Für Routine (E-Mail-Entwurf, FAQ-Antwort) reicht Standard; für Analysen, Entscheidungsvorlagen und Code mit Bugfix-Charakter lohnt Reasoning.

Faustregel: erst den klassischen Prompt probieren, dann bei unzureichendem Output den Reasoning-Modus aktivieren (“Think deeply”, “Extended Thinking”, “Reasoning: high”). Die fünf Grundprinzipien oben bleiben - sie werden mit Reasoning-Modellen nur leichter einzuhalten.

Häufige Fehler vermeiden

  1. Zu vage sein - mehr Details ergeben fast immer bessere Ergebnisse.
  2. Keine Beispiele geben - ein Beispiel ist mächtiger als drei Beschreibungen.
  3. Nicht iterieren - perfekte Ergebnisse entstehen im Dialog.
  4. Personendaten in Free-Tarifen einspeisen - DSG-relevant, siehe DSG-Leitfaden.

Fazit

Prompt Engineering ist eine erlernbare Fähigkeit. Mit etwas Übung werden Ihre Ergebnisse messbar konsistenter - und die Nacharbeit sinkt. Die nächste Stufe sind die acht Prompt-Templates für den KMU-Alltag, die direkt im Team einsetzbar sind.

In meinen Workshops für Schweizer KMU-Teams gehe ich diese Prinzipien mit konkreten Beispielen aus Ihrer Branche durch.


Weiterführend auf ai-edu.ch:

Quellen: