KI-Tools · 20. April 2026
Claude Design: Eure Marke einmal erklären, dauerhaft verwenden
Claude kann jetzt Texte, Pitch-Decks und Website-Entwürfe im Look eurer Marke erstellen - wenn ihr ihm einmal zeigt, wie eure Marke aussieht. Ein praktischer Einstieg für Schweizer KMU.
Autor
ai-edu Team
KI-Schulungsexperten
Stand: April 2026. Das beschriebene Feature ist als “Research Preview” verfügbar - Anthropic nennt es so, wenn ein Produkt noch in Entwicklung ist. Die Oberfläche kann sich also in den nächsten Wochen verändern.
Das Problem in einem Satz
Ihr lasst Claude einen Kurzbeschrieb, eine Landingpage oder einen ersten Pitch-Deck-Entwurf erstellen. Das Ergebnis ist inhaltlich brauchbar - aber farblich, schrifttechnisch und optisch generisch. Irgendeine KI-Ausgabe, nicht eure.
Das ist in einem Schweizer KMU mehr als ein Schönheitsthema: Jede Präsentation, die nicht im eigenen Look daherkommt, braucht eine Marketing-Person, die nachpoliert. Bei fünf Entwürfen pro Woche summiert sich das zu mehreren Stunden Nacharbeit.
Was Claude Design tut - in einem Satz
Ihr zeigt Claude einmal, wie eure Marke aussieht - und von da an produziert Claude neue Outputs automatisch in diesem Look. Keine Wiederholung, keine 50-seitige Brand-Guideline im Anhang jedes Prompts.
Was Claude Design nicht tut
Damit hier keine falschen Erwartungen entstehen:
- Es ist kein Ersatz für eure Agentur oder eure Designerin. Claude produziert Entwürfe, keine fertigen Kampagnen.
- Es ist kein Figma-Nachfolger. Die Ergebnisse sind in Claude selbst sichtbar, nicht als editierbare Design-Datei.
- Es ist keine Magie. Wer keine klare Marken-Sprache hat, bekommt von Claude auch keine.
Das gesagt: Für Unternehmen, die ihre Website, ihr Logo und ihre Farben sauber dokumentiert haben, ist der Effekt in 15 Minuten eingerichtet und spart von da an täglich Zeit.
Wie der Einstieg aussieht
Nach dem Aufruf von claude.ai/design landet man im Haupt-Dashboard. Unten links eine orange CTA “Set up design system” - das ist der Einstieg. Davor lohnt es sich, kurz nachzuschauen, in welcher Organisation man angemeldet ist - für Teams mit mehreren Bereichen (z. B. private Claude-Nutzung und Firmenzugang) nicht egal.
Schritt 1: Wer seid ihr?
Auf der ersten Seite beschreibt ihr euer Unternehmen in zwei bis drei Sätzen. Nicht hochformuliert, sondern ehrlich:
“ai-edu.ch - KI-Schulungen für Schweizer KMU. Ernsthafter Beratungs-Ton, dunkelblau mit warmem Weiss, editorial statt Tech-Startup.”
Das ist der Rahmen. Claude nutzt diese Sätze als Interpretations-Hilfe für alles, was ihr danach hochladet.
Schritt 2: Zeigen statt beschreiben
Der entscheidende Schritt. Ihr gebt Claude Beispiele dafür, wie eure Marke aussieht. Je konkreter, desto besser:
- Links zu eurer Website oder einem Teil davon. Wenn die Homepage bereits euren Stil trägt, ist das die schnellste Quelle.
- Screenshots von Präsentationen, Broschüren, Social-Posts.
- Eine PDF-Broschüre oder ein Slide-Deck, das jemand aus dem Marketing in den letzten Monaten verwendet hat.
- Logos, Farbwerte, Schriften als einzelne Dateien - wenn das technisch bei euch dokumentiert ist.
- Für technische Teams auch: ein Ordner mit bestehenden Webseite-Dateien, oder ein Link zum internen Code-Repository.
Die wichtigste Erkenntnis: Echte Beispiele schlagen Spezifikationen. Ein PDF-Style-Guide, der “unsere Primärfarbe ist Tiefblau #0B1F3A” sagt, hilft weniger als zwei tatsächliche Landingpages, aus denen Claude den typischen Umgang mit Farbe, Schrift und Abständen selbst erkennt.
Für viele Schweizer KMU ohne explizites Brand-Manual ist das eine gute Nachricht: Die bestehende Website reicht oft als Ausgangsbasis.
Schritt 3: Testlauf machen
Nach “Continue to generation” arbeitet Claude einige Minuten und baut ein internes Modell eurer Marke. Was daraus kommt, prüft ihr am einfachsten mit einem Test-Prompt:
“Erstelle einen Landingpage-Entwurf für unser neues Premium-Paket.”
Kommt das Resultat mit euren Farben, eurer Schriftart und eurem typischen Ton zurück - dann sitzt das System. Wenn nicht: einfach weitere Beispiele nachliefern und neu durchlaufen lassen.
Schritt 4: Für das Team freigeben
Einzelpersonen sehen ihr Design-System nur selbst. Für Teams und grössere Unternehmen gibt es einen “Published”-Schalter in den Organisation-Einstellungen:
Ab diesem Moment greifen alle neuen Chats und Projekte aus eurem Team automatisch auf die hinterlegte Marken-Sprache zu. Das einmalige Setup zahlt sich so über hunderte von Anfragen hinweg aus.
Für wen lohnt sich das heute?
Lohnt sich jetzt:
- KMU mit klarer Marken-Sprache. Wenn die Website oder der Print-Auftritt bereits konsistent ist, kommt Claude sauber ans Ziel.
- Teams, die viel mit Claude produzieren. Ein Kommunikationsteam, das mehrere Vorschläge pro Woche generieren lässt, spart sich jedes Mal die “bitte in unseren Farben”-Anleitung.
- Unternehmen im Brand-Relaunch. Neuer Look in Arbeit? Parallel in Claude Design übernehmen und erste Entwürfe im neuen Style generieren.
Noch zu früh:
- Regulierte Branchen mit strengen Vorgaben. Banken-Prospekte, medizinische Produkt-Unterlagen, Versicherungs-Dokumente. Claude produziert konsistent, aber nicht revisionssicher.
- Produktionsqualität auf Pixel-Ebene. Drucksachen und offizielle Auftritte wollen weiterhin durch die Designerin.
DSG-Blick: Was wandert in den Upload?
Für Schweizer Unternehmen der wichtigste Abschnitt. Bevor ihr Dokumente hochladet, ein kurzer Check:
- Enthält ein hochgeladenes Slide-Deck Mandantennamen, Kundenlogos oder interne Finanzzahlen? Dann ersetzen oder schwärzen.
- Enthält ein Code-Ordner Zugangsdaten, Passwörter oder Konfigurationen? Dann den Upload auf die Design-relevanten Dateien begrenzen (Claude kopiert nur ausgewählte Dateien, nicht alles pauschal).
- Figma-Dateien werden laut UI-Hinweis direkt im Browser ausgewertet und gar nicht an Anthropic übertragen. Das ist der sauberste Fall für sensible Designs.
Als Research Preview nimmt Claude Design teilweise noch nicht an allen Datenschutz-Optionen teil, die das Haupt-Produkt bietet. Wer mit sensiblen Marken arbeitet, kann entweder einen separaten Team-Account nur für den Brand-Teil anlegen oder bei Anthropic direkt nachfragen, welchen Datenschutz-Status Claude Design aktuell hat.
Praxis-Fazit
Claude Design ist keine Revolution - es ist der späte, logische Schritt, weil Claude ohnehin schon in vielen Marketing-Abläufen steckt. Der Durchbruch für ein Team passiert nicht beim Einrichten, sondern in den zwanzig Anfragen danach, in denen die Brand-Guideline nicht mehr in jeden Prompt kopiert werden muss.
Wer unsere Kundschaft kennt: Wir nehmen Claude Design ab sofort in die Vertiefungs-Workshops auf. Einmal für das ganze Team eingerichtet - und aus “Claude hat mir etwas generiert” wird schrittweise “Wir haben mit Claude etwas produziert”.
Hintergrund: Anthropic Support - Set up your design system in Claude Design
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